JULIA LAZARUS

It might all come together for a moment and then just as quickly it is gone.

Eröffnung: Freitag, 2. September, 19-22 Uhr

20 Uhr live:

AFTERMARS

Sébastien Brault (voice, keys)

Tom Früchtl (guitar)

Thomas Jocher (trumpet)

www.aftermars.net

 

Während der ART KREUZBERG:

Samstag, 3. September 14-21 Uhr

Sonntag, 4. September, 14-20 Uhr


Öffnungszeiten

Mi-Fr 13-18 Uhr, Sa 12-15 Uhr

und nach Vereinbarung

jl3

© Julia Lazarus, “S/W”, Ektachrome, 1. Mai 2010

www.julialazarus.de

 

Die Galerie Funke zeigt vom 3. September – 8. Oktober 2011 neue Fotoarbeiten der in Berlin lebenden Künstlerin und Filmemacherin Julia Lazarus unter dem Titel: It might all come together for a moment and then as quickly it is gone. Für Julia Lazarus betont der Ausstellungstitel das Augenblickliche und Flüchtige einer Zusammenkunft von Menschen auf der Straße, die für die Dauer eines perfekten Momentes kurzfristig ein bildhaftes Arrangement darbieten, das sich sofort wieder auflöst, wenn sie auseinander gehen.
Der Satz ist die vierzigste Instruktion des derzeit im Internet ausgeschriebenen „Street Photography Projects“: Internationale Protagonisten des Genres der Straßenfotografie geben ein Jahr lang wöchentlich künstlerische Handlungsanweisungen als Anregung und Inspiration für Fotografen weltweit, zufällige und momentane Situationen im öffentlichen Raum, des urbanen Lebens, auf Straßen und Plätzen in der Tradition von Brassai, Diane Arbus oder Robert Frank fotografisch einzufangen.
Die Serie von Fotografien in der Galerie Funke nahm Lazarus an verschiedenen Orten in Berlin auf: Eine Gruppe junger Männer sitzt mitten in der Stadt mit nackten Oberkörpern auf den Treppenstufen am Kottbusser Tor. Sie blicken in verschiedene Richtungen, aber nicht in die Kamera. Um sie verstreut liegen Tüten und Rucksäcke. Fotografisch angeschnitten parken im Vordergrund Fahrzeuge. Das Bild wirkt spontan und gleichzeitig wie der Ausschnitt aus einem Film oder ein Teil einer Geschichte. Die Zeit scheint für einen Moment eingefroren. Eine weitere Fotografie zeigt Menschen auf dem Alexanderplatz. Die Gruppe vorn – vielleicht eine Familie oder Reisende – bildet einen blockartigen Schwerpunkt, während im Hintergrund eine Frau und ein Mann jeweils in die gegensätzliche Richtung gehen. Obwohl ihre Anordnung zufällig ist, erscheint der Bildaufbau durchkomponiert und erhält eine Struktur von diagonalen, widerstreitenden und ausgleichenden Kräften.
26 Dias, aufgenommen in der Abenddämmerung am 1. Mai 2010 in Berlin, bilden eine weitere Fotoserie von Julia Lazarus in der Galerie Funke. Als Diashow in kurzen Abständen nacheinander gezeigt, erhalten auch sie durch den erzählenden Aufbau eine narrative Form. Der Betrachter sieht keine Demonstranten, sondern allein die Polizisten, die sich in kleinen Gruppen sammeln und formieren. Die Fotografien sind dunkel, man erkennt bloß Silhouetten oder das Aufblitzen von Helmen in der Dunkelheit.
Das urbane Ambiente in den Fotografien von Julia Lazarus ist nicht gestellt, sondern authentisch und dokumentarisch – Street Photography, die Ansammlungen von Menschen in den Fokus nimmt. Dementsprechend beschreibt die Künstlerin ihre Arbeitsweise: „Ich bin draußen unterwegs und halte die Kamera auf fremde Leute und gefundene Szenen. Das Spannende für mich als Fotografin ist der Versuch, diese Situation spontan einzufangen.“ Das Interesse der Künstlerin gilt nicht dem individuellen Porträt, sondern der Gruppenfiguration. Sie erkennt in der Struktur der Gruppierungen, in der Komposition der Figuren visuelle Bezüge zur Malerei, die über das Dokumentarische hinaus gehen. Es erstaunt wenig, dass Lazarus die beinahe malerischen Fotografien von Saul Leiter favorisiert, der als Fotograf und Maler die New York School weitgehend prägte.
Die Straßenfotografien von Julia Lazarus bilden nicht nur von der Künstlerin augenblicklich Vorgefundenes und Entdecktes ab. Durch das Zusammenspiel von urbanem Kontext, scheinbar alltäglichen Situationen und den im Bild herausgestellten Strukturen erhalten die angedeuteten Erzählungen metaphorischen und symbolischen Charakter, der auch in den filmischen Arbeiten von Lazarus angelegt ist. Lazarus zielt auf die Abstraktion des Gesehenen in Richtung sozialer Gegebenheiten und gesellschaftlicher Inhalte. Anne Krause und Vera Tollmann schreiben 2005 in der Neuen Review über das Werk der Künstlerin: „Die Umgebung bleibt aber immer nur Kulisse. [Sie] wird – als Alternative zu gängigen Dokumentationsbildern – zur symbolischen Bühne.“
In ihren frühen Filmen „a lucia“, 2001, „forst“, 2005, oder der Videoinstallation „vida en otro lado“, 2005, untersucht Lazarus Orte und Landschaften strukturell und kompositorisch im Hinblick auf ihre politische Bedeutung anhand von Landschaftsmotiven und Bildmaterial aus der Kunst- und Filmgeschichte. Die Bilder erinnern zwar an Naturdarstellungen der Romantik und zitieren Sonnenuntergänge, Mondaufgänge, Wolkenhimmel, Seestücke und Berge. Sie werden aber gebrochen durch die Spannung zwischen den Polen von Dokumentation und Inszenierung.
Julia Lazarus nahm an zahlreichen internationalen Filmfestivals und Ausstellungen teil. Sie studierte an der Hochschule der Künste Berlin bei der Medien- und Performancekünstlerin Valie Export und am California Institute of the Arts in Los Angeles u. a. bei dem Filmemacher James Benning, dessen Werk die Künstlerin sehr schätzt. Einige von Lazarus’ Arbeiten reflektieren die dokumentarisch-experimentellen Filme von Benning, mit ihren wenigen und minutenlangen Kameraeinstelllungen, der intensiven Auseinandersetzung mit den jeweiligen Drehorten und dem Einfangen des Originaltons vor Ort.

Claudia Funke, August 2011

 Logo_AVIVA_Berlin

JULIA LAZARUS

 

It might all come together for a moment and then just as quickly it is gone.

 

Galerie Funke

3. September – 8. Oktober 2011

 

Eröffnung: Freitag, 2. September, 19-22 Uhr

 

Während der ART KREUZBERG:

Samstag, 3. September 14-21 Uhr

Sonntag, 4. September, 14-20 Uhr

 

Öffnungszeiten

Mi-Fr 13-18 Uhr, Sa 12-15 Uhr

und nach Vereinbarung

 

 

© Julia Lazarus, “S/W”, Ektachrome, 1. Mai 2010

www.julialazarus.de

 

Die Galerie Funke zeigt vom 3. September – 8. Oktober 2011 neue Fotoarbeiten der in Berlin lebenden Künstlerin und Filmemacherin Julia Lazarus unter dem Titel: It might all come together for a moment and then as quickly it is gone. Für Julia Lazarus betont der Ausstellungstitel das Augenblickliche und Flüchtige einer Zusammenkunft von Menschen auf der Straße, die für die Dauer eines perfekten Momentes kurzfristig ein bildhaftes Arrangement darbieten, das sich sofort wieder auflöst, wenn sie auseinander gehen.

Der Satz ist die vierzigste Instruktion des derzeit im Internet ausgeschriebenen „Street Photography Projects“: Internationale Protagonisten des Genres der Straßenfotografie geben ein Jahr lang wöchentlich künstlerische Handlungsanweisungen als Anregung und Inspiration für Fotografen weltweit, zufällige und momentane Situationen im öffentlichen Raum, des urbanen Lebens, auf Straßen und Plätzen in der Tradition von Brassai, Diane Arbus oder Robert Frank fotografisch einzufangen.

Die Serie von Fotografien in der Galerie Funke nahm Lazarus an verschiedenen Orten in Berlin auf: Eine Gruppe junger Männer sitzt mitten in der Stadt mit nackten Oberkörpern auf den Treppenstufen am Kottbusser Tor. Sie blicken in verschiedene Richtungen, aber nicht in die Kamera. Um sie verstreut liegen Tüten und Rucksäcke. Fotografisch angeschnitten parken im Vordergrund Fahrzeuge. Das Bild wirkt spontan und gleichzeitig wie der Ausschnitt aus einem Film oder ein Teil einer Geschichte. Die Zeit scheint für einen Moment eingefroren. Eine weitere Fotografie zeigt Menschen auf dem Alexanderplatz. Die Gruppe vorn – vielleicht eine Familie oder Reisende – bildet einen blockartigen Schwerpunkt, während im Hintergrund eine Frau und ein Mann jeweils in die gegensätzliche Richtung gehen. Obwohl ihre Anordnung zufällig ist, erscheint der Bildaufbau durchkomponiert und erhält eine Struktur von diagonalen, widerstreitenden und ausgleichenden Kräften.

26 Dias, aufgenommen in der Abenddämmerung am 1. Mai 2010 in Berlin, bilden eine weitere Fotoserie von Julia Lazarus in der Galerie Funke. Als Diashow in kurzen Abständen nacheinander gezeigt, erhalten auch sie durch den erzählenden Aufbau eine narrative Form. Der Betrachter sieht keine Demonstranten, sondern allein die Polizisten, die sich in kleinen Gruppen sammeln und formieren. Die Fotografien sind dunkel, man erkennt bloß Silhouetten oder das Aufblitzen von Helmen in der Dunkelheit.

Das urbane Ambiente in den Fotografien von Julia Lazarus ist nicht gestellt, sondern authentisch und dokumentarisch – Street Photography, die Ansammlungen von Menschen in den Fokus nimmt. Dementsprechend beschreibt die Künstlerin ihre Arbeitsweise: „Ich bin draußen unterwegs und halte die Kamera auf fremde Leute und gefundene Szenen. Das Spannende für mich als Fotografin ist der Versuch, diese Situation spontan einzufangen.“ Das Interesse der Künstlerin gilt nicht dem individuellen Porträt, sondern der Gruppenfiguration. Sie erkennt in der Struktur der Gruppierungen, in der Komposition der Figuren visuelle Bezüge zur Malerei, die über das Dokumentarische hinaus gehen. Es erstaunt wenig, dass Lazarus die beinahe malerischen Fotografien von Saul Leiter favorisiert, der als Fotograf und Maler die New York School weitgehend prägte.

Die Straßenfotografien von Julia Lazarus bilden nicht nur von der Künstlerin augenblicklich Vorgefundenes und Entdecktes ab. Durch das Zusammenspiel von urbanem Kontext, scheinbar alltäglichen Situationen und den im Bild herausgestellten Strukturen erhalten die angedeuteten Erzählungen metaphorischen und symbolischen Charakter, der auch in den filmischen Arbeiten von Lazarus angelegt ist. Lazarus zielt auf die Abstraktion des Gesehenen in Richtung sozialer Gegebenheiten und gesellschaftlicher Inhalte. Anne Krause und Vera Tollmann schreiben 2005 in der Neuen Review über das Werk der Künstlerin: „Die Umgebung bleibt aber immer nur Kulisse. [Sie] wird – als Alternative zu gängigen Dokumentationsbildern – zur symbolischen Bühne.“

In ihren frühen Filmen „a lucia“, 2001, „forst“, 2005, oder der Videoinstallation „vida en otro lado“, 2005, untersucht Lazarus Orte und Landschaften strukturell und kompositorisch im Hinblick auf ihre politische Bedeutung anhand von Landschaftsmotiven und Bildmaterial aus der Kunst- und Filmgeschichte. Die Bilder erinnern zwar an Naturdarstellungen der Romantik und zitieren Sonnenuntergänge, Mondaufgänge, Wolkenhimmel, Seestücke und Berge. Sie werden aber gebrochen durch die Spannung zwischen den Polen von Dokumentation und Inszenierung.

Julia Lazarus nahm an zahlreichen internationalen Filmfestivals und Ausstellungen teil. Sie studierte an der Hochschule der Künste Berlin bei der Medien- und Performancekünstlerin Valie Export und am California Institute of the Arts in Los Angeles u. a. bei dem Filmemacher James Benning, dessen Werk die Künstlerin sehr schätzt. Einige von Lazarus’ Arbeiten reflektieren die dokumentarisch-experimentellen Filme von Benning, mit ihren wenigen und minutenlangen Kameraeinstelllungen, der intensiven Auseinandersetzung mit den jeweiligen Drehorten und dem Einfangen des Originaltons vor Ort.

 

Claudia Funke, August 2011