Carola Bark
consolasido

Galerie Funke
24. März – 19. April 2012

Eröffnung: Freitag, 23. März 19-22 Uhr
John Cage: Trios für 3 Schlagzeuger, aus: Amores
Jugendensemble COMPAS, Leitung: Jobst Liebrecht

Öffnungszeiten: Mi-Fr 13-18 Uhr, Sa 12-15 Uhr
und nach Vereinbarung

CarolaBark
© Carola Bark, Interferenz Nr. 3, 2012, Tusche auf Bütten, Detail, VG Bild-Kunst, Foto: Ilona Winter

Carola Barks Element ist die Zeichnung. Dabei erweitert die Künstlerin, die 2001 an der Universität der Künste, Berlin, als Meisterschülerin abschloss, das Medium über seine Grenzen hinweg. Bereits der Titel der aktuellen Einzelausstellung in der Galerie Funke, consolasido, deutet auf Bezüge zur Architektur, zum Raum und zur Musik. Er zitiert Noten der Tonleiter in italienischer Silbenform und verbindet sie mit dem Begriff der Konsole, einem Vorsprung, einem Gesimsträger an einer Wand oder Mauer.
Mit Graphit, Klebestreifen oder Magnettonband zeichnet Bark visuelle Partituren mit geraden Linien von unterschiedlicher Dichte und Stärke, rhythmischen Unterbrechungen und Auslassungen, die im musikalischen Sinne an Taktmaß, Tonlängen und –höhen, Frequenzen, Intervalle erinnern. In den neuen Zeichnungen von Bark, den „Interferenzen“ von 2012, überlagern sich die horizontal und vertikal parallel verlaufenden Tuschestriche jetzt mit schrägen Diagonalen. Sie bilden ein komplexes regelmäßiges Netzwerk, das ein optisches Flirren, Irritationen des Auges, Moiré-Effekte erzeugt. Bark greift in ihren Arbeiten minimalistische Tendenzen auf und bezeugt ihre Wertschätzung für das Werk von François Morellet.
Die Zeichnungen der Künstlerin treten in Verbindung zur Architektur, indem sie mit Klebeband reduzierte lineare Setzungen direkt auf der Wand anbringt. Mit Schnüren und Bändern zieht sie farbige Linien in den Raum. Sie verspannt auf diese Weise Ecken, Wände und Decken, hebt die Flächigkeit der Zeichnung auf, die nun plastisch dreidimensional erfahrbar wird und den Raum durch den Eingriff verändert.
Bark unternimmt ebenfalls Interventionen im öffentlichen Raum. Mit Tapeband zieht sie Linien und fertigt Raster an, wobei sie sich zumeist eher unscheinbare Ecken, ‚vergessene’ Orte und Stellen aussucht: Minimale, aber präzise Zeichnungen an einem Brunnenrand, Holzschuppen, Treppenhaus, einer Hauswand oder einer nicht genutzten Litfaßsäule ziehen die Aufmerksamkeit auf sich und werfen ein neues Licht auf die urbane Umgebung.
In der Galerie Funke zeigt Bark mit „corners“, 2012, 27 Zeichnungen, auf denen mit Bleistift perspektivisch der Blick in einen Innenraum angedeutet wird. Davor gelagert treiben parallel zueinander angeordnete, in das Bild eingearbeitete Fäden aus Seidengarn ein Spiel mit der Illusion und Negierung von Fläche und suggerierten Räumlichkeit.
Imaginäre Architekturen beschäftigen die Künstlerin auf den 18 mit Kästchen versehenen Blättern eines gefundenen Skizzenbuchs aus Ecuador. Die jeweils einfarbigen Gebilde oder Grundrisse greifen zwar die Struktur des vorgegebenen Gitters auf, überlappen dieses aber stellenweise eigenwillig und bilden einen Kontrapunkt zu dessen geometrischer Statik.
Ein tiefes, in seinen Farbnuancen bis ins Türkis oder Grau changierendes Blau kennzeichnet die Malerei von Carola Bark auf quadratischen oder rechteckigen Holzplatten. Die Bilder aus dem Jahr 2011, die die Künstlerin auch in Variationen von Rottönen schuf, gleichen satten Farbakkorden. Trotz der malerischen Dichte erklingt bei ihnen aufgrund der linearen Abgrenzung der Farben voneinander und der minimalistischen Klarheit der Achsen und Geraden ein Nachhall des zeichnerischen Gestus.
In ihrer Reduktion und Präzision des künstlerischen Ausdrucks verweisen die Arbeiten von Carola Bark auf nichts als sich selbst. Sie richten das Augenmerk auf die Wahrnehmung des Raums, die Umgebung und die Wirkung der Farben und Zeichen auf den Betrachter.

Anlässlich der Ausstellung von Carola Bark in der Galerie Funke erscheint eine Edition von fünf Druckgrafiken in der Auflage von 8/8 + 1 EA.

Claudia Funke, März 2012


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