Sabine Wewer

INSOMNIA

Galerie Funke

9. Juni– 7. Juli 2012

Eröffnung: Freitag, 8. Juni, 19-22 Uhr

Öffnungszeiten: Mi-Fr 13- 18 Uhr, Sa 12-15 Uhr

und nach Vereinbarung
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© Sabine Wewer, Finnja, 2011, Acryl auf Leinwand, 110 x 310 cm

www.sabine-wewer.de


Sabine Wewer erschafft als Malerin Traumbilder. Ihre vom 9. Juni bis 7. Juli 2012 in der Galerie Funke, Berlin, ausgestellten Gemälde erzeugen eine Atmosphäre des Übergangs zwischen Wachen und Schlafen. Sie versetzen in Zustände unbekannter Erfahrungen, durch die wir neue Wissensfelder betreten. Landschaften und Figuren fungieren als Chiffren für das Unbestimmte, Geheimnisvolle. Verschlüsselt und subtil verweisen sie auf historische Ereignisse, Mythen und Märchen, Vertraut-Unvertrautes. Dabei geht die 1960 in Bremen geborene Künstlerin immer von authentisch und individuell Erlebtem aus, das sie durch eine symbolische Bildsprache in eine allgemeine Aussage überführt. Als Anregung dienen ihr Fotos aus dem Familienalbum, Reisen, gefundenes Bildmaterial, Filme, Sachbücher und Belletristik.
Wasser, das Meer, Schiffe, die Seefahrt, das Eintauchen in den Fluss des Sich-Fort-Bewegens spielen in der Kunst der Tochter eines Schifffahrtskaufmanns, die ihre Kindheit auf Binnenfrachtern verbrachte, eine tragende Rolle. Ihr Großvater bereiste vor dem 1. Weltkrieg auf dem Panzerkreuzer SMS Gneisenau Südostasien und die damaligen deutschen Kolonien. Die Enkelin erbte seine Seemannskiste, zahlreiche Erinnerungsstücke und Abenteuerliteratur.
Vögel – Eulen, Raben, Falken - erscheinen zahlreich in Wewers Malerei. Als Botschafter vermitteln sie zwischen verschiedenen Bereichen, Tag und Nacht, dem Bewussten und dem Unbewussten. In einem Gemälde erweckt ein Falkner in den Worten der Künstlerin den Eindruck, als „hätte er einen besonderen Zugang zu dem Vogel, mit dem er Zwiesprache hält, als hüte er das Tor zu einer anderen Welt.“
Wewer fasziniert der absurde Gegensatz, dass wir das Fliegen der Vögel bewundern, welches als Inbegriff der Freiheit gilt. Andererseits werden Vögel als Haustiere in Käfigen gehalten und wie gezähmte Gefährten behandelt. „Fliegen und Schweben, das ist mein Thema“, stellt die Künstlerin fest. Das Fliegen steht nicht nur im Mittelpunkt weiterer Bildreihen von Wewer, sondern ist indirekt auch gegenwärtig in ihren Unterwasserbildern, die die Flora und Fauna in der Tiefe des Meeres zeigen. Auch Astronauten trainieren anhand von Tiefseetauchen für ihre Flüge ins All. In Wewers Bildern treiben Quallen und andere Meeresbewohner schwerelos durch den dunklen Kosmos des Wassers.
In ihren aktuellen Filmarbeiten schneidet Wewer Episoden des Alltagslebens gegeneinander und macht so eine eigenartige Welt sichtbar, in der das Sujet des Nächtlichen, des Fliegens und Reisens, von Zeit und Geschwindigkeit erneut aufscheint.
Ihre Gemälde wirken wie Filmstills, die dem Gesamtzusammenhang einer Handlung entrissen wurden oder den Anfang einer Geschichte bilden, die nach einer Fortsetzung ruft. Bei Wewer entwickelt sich die aus eigenen Erfahrungen gespeiste Grundidee zu einem Plan, einer Serie, einem Konzept, das die Künstlerin auf andere Medien und Ebenen überträgt – es wird zum Bestandteil ihrer Performances, Filme oder der Texte und Bilder auf den von der Künstlerin entworfenen Kleidungsstücken.
Die Tendenz zum großen Bildformat, die Gleichzeitigkeit von abstrakten und figurativen Elementen und die Vorliebe für zeichenhafte Chiffren rühren bei Wewer – die nach dem Erhalt eines Fulbright-Stipendiums ihr Atelier zwischen 1986 und 1991 in New York City bezog – auch aus der Auseinandersetzung mit der amerikanischen Malerei des New Image Painting. Neben Julian Schnabel, Eric Fischl, David Salle oder Philip Guston nennt sie die Transavantgarde Maler Francesco Clemente und Enzo Cucchi als frühe Inspiration.
Sabine Wewer, deren Interessen eng mit Sprache und Literatur verknüpft sind, referiert mit ihrer Kunst auf die Werke von Jenny Holzer und Barbara Kruger. Beide Künstlerinnen verbinden auf eine poetisch-imaginäre Weise Wort und Bild, Text und Bedeutung. In Wewers Malerei hingegen bilden die Erzählung und die Geschichte eine unauflösliche bildhafte Einheit.

Claudia Funke, Mai 2012

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© Sabine Wewer, Falkner II, 2012, Acryl auf Leinwand, 200  x 160 cm


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