Valeria Heisenberg, Heike Kelter, Milena Vrtalova
STILL


Galerie Funke
17. Oktober–10. November 2012


Eröffnung: Samstag, 13. Oktober, ab 18 Uhr


Öffnungszeiten: Mi-Fr 13-18 Uhr, Sa 12-15 Uhr
und nach Vereinbarung

 

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Heike Kelter, Trees at the Heather,
2012, Acryl auf Leinwand, 60 x 70 cm
Milena Vrtalova, o. T., 2012,
Mischtechnik auf Plexiglas, ca. 55 x 38 cm
Valeria Heisenberg, # 73 (Winterdorf), 2012,
Oel und Lack auf Aluminium, 95 x 118 cm 

 

Unter dem Titel „Still" stellt die Galerie Funke erstmals aktuelle Arbeiten von Valeria Heisenberg, Heike Kelter und Milena Vrtalova aus. Kennzeichnend für die Malerei und Zeichnungen der drei Künstlerinnen ist eine Haltung des „immer noch" und „dennoch" mit der sie einem überall handhabbaren, bereits existierenden Bilderfundus entgegentreten. Sie schaffen Momentaufnahmen im Modus des „gefrorenen Augenblicks", Standbilder der Realität, deren Erzählung in zeitloser Gegenwärtigkeit still steht und die die Perspektive eines Schwebens im Raum einnehmen.

Vrtalova, 1960 in Sokolov, CSSR geboren, studierte an der Städelschule in Frankfurt am Main bei Hermann Nitsch und Georg Herold. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
Zeichnerisch hält Vrtalova Beobachtungen alltäglicher Situationen und Objekte fest. Ihr Blick gleitet vom Fensterbrett – auf dem im Niemandsland zwischen Fensterscheibe und Gardine abgestellte Gegenstände ein unbewusst arrangiertes Stilleben formieren – durch das Fenster auf die Straße. Auf den in der Galerie Funke zum ersten Mal gezeigten Hinterglasmalereien übernimmt die Künstlerin das Material der Glasscheibe und seine vorgegebenen Begrenzungen. Sie konzentriert sich auf das von ihr fokussierte Motiv unter Verzicht auf die Darstellung von Hintergründen und Rahmenhandlungen. Vrtalova erfindet nichts, sondern entdeckt kaum Beachtetes spielerisch und humorvoll neu. Das Acrylglas, hinter dem sich Vrtalovas künstlerische Szenerien entfalten, ist transparent und durchscheinend. Es isoliert das auf die Rückseite gemalte Bild andererseits und verschließt es zusätzlich durch Spiegeleffekte.
Kelter, 1964 geboren in Münster, lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte von 1988-1994 Malerei an der Universität der Künste in Berlin.
Mit ihren neuen Arbeiten, auf denen Landschaften, oftmals weite, tiefe Ebenen, zu sehen sind, zielt Kelter auf die Vorstellung von Leere und Zeitlosigkeit. Natur wirkt in ihrer Malerei kühl, unbewegt, unveränderlich – in den Worten der Künstlerin „entladen". Fotografien dienen Kelter als Vorlage für die Auswahl eines möglichst nüchternen, undramatischen Bildausschnitts, den sie auf die Leinwand überträgt. Unterlassungen im Sinne einer Strategie des „Nicht-Tuns" befreien das Bild vom romantischen und kunsttheoretischen Ballast.
Kurze Pinselstriche und ein lockerer Farbauftrag führen zu einem schichtartigen Aufbau ihrer Werke, der die unteren Ebenen bis zur Bildoberfläche durchscheinen lässt. Die von Kelter verwendeten hell leuchtenden Farben sind lichtdurchlässig und Licht ausstrahlend. Die Künstlerin beraubt die Landschaften aller Inhalte und avantgardistischer Provokationen. Sie beschränkt figurative Dinglichkeit auf das Notwendigste. „Es geht nicht um Malerei, sondern um ein Bild, das gerade so wenig gemalt ist, dass es eine Erfahrung transportieren kann", kommentiert Kelter. Angesichts der malerischen Reduktion und Abstraktion wirft uns diese Erfahrung existentiell auf uns selbst zurück.
Heisenberg studierte von 1989-1995 freie Malerei an der Städelschule in Frankfurt am Main bei Raimer Jochims und Thomas Bayrle. Von 1999-2000 erhielt sie ein einjähriges New York-Stipendium der Hessischen Kulturstiftung. Sie lebt und arbeitet in Berlin.
Ähnlich wie Kelter findet auch Heisenberg in Fotografien – selbst aufgenommenen Schnappschüssen, Bildern aus dem Internet – Inspiration für ihre Malerei und Aquarelle. Sie betreibt eine Auswahl von Ausschnitten und Fragmenten aus dem Magazin schon vorhandener Bildwelten, die sie mittels Projektion abstrahiert in das Medium der Malerei transferiert. „Der Zwischenschritt über das Foto führt zu einem veränderten Blick, wobei mich das Malerische interessiert. Das von mir Dargestellte ist immer sehr allgemein, denn ich möchte keine großen Geschichten und nichts Persönliches erzählen", erklärt Heisenberg. Die Künstlerin malt auf Aluminiumblechen, die in einer Autolackiererei mit Lackschichten überzogen, wieder bemalt und wieder lackiert werden. Wie gefroren ist das Motiv sichtbar zwischen den glatten, glänzenden Lackschichten gefangen. Die Lichtreflexe und Spiegelungen auf der Oberfläche lenken den Blick beständig ab, so dass das Bild nie ganz und auf einmal erfahren werden kann.
Heisenberg nutzt Webcam-Bilder, die im Internet von weltweit an Orten und Plätzen installierten Kameras rund um die Uhr veröffentlicht und verbreitet werden: Verwackelt und in schlechter Qualität erscheinen Einkaufszentren, leere Bars oder nächtliche Landschaften als „Unorte" oder „Nicht-Orte" plötzlich fremd und unvertraut.

Die unpersönlich distanzierte Sehweise von Heisenberg, Kelter und Vrtalova auf die von ihnen vorgefundenen und ausgewählten Bildausschnitte befördert Frank Stellas Diktum der Minimal Art aus den 1960er Jahren „What you see is what you see" in eine neue Dimension.

Claudia Funke, Oktober 2012

 

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