INS A KROMMINGA
Ovartestisimilar

Galerie Funke
05. Juni – 06. Juli 2013

Eröffnung: Samstag, 01. Juni, 19-22 Uhr

Öffnungszeiten: Mi 12-17 Uhr, Do-Fr 12-18 Uhr, Sa 12-15 Uhr
und nach Vereinbarung
www.galeriefunke.de

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© Ins A Kromminga, Ovartestisimilar, 2013,
Aquarell und Tusche auf Papier, 19 x 13,5 cm
www.abject.de

 

Die Galerie Funke ist stolz, mit OVARTESTISIMILAR die erste Einzelausstellung mit Zeichnungen und Wandinstallationen von INS A KROMMINGA in Berlin zu präsentieren. Der Titel verbindet spielerisch medizinische Begriffe für die weiblichen und männlichen Keimdrüsen als Produktionsort der Geschlechtshormone mit dem englischen „similar“ und setzt sie so in eins.
Vor dem eigenen biografischen Hintergrund reflektieren Kormmingas Arbeiten das Thema der Intersexualität und den gesellschaftlichen Zwang, ein Zweigeschlechtersystem als Norm zu postulieren, in dem ausschließlich eine entweder männliche oder weibliche Zuschreibung gilt. Menschen, die körperlich nicht dieser binären Konstruktion entsprechen, wurden/werden – oftmals mit Gewalt, in eigener Unkenntnis ohne Mitspracherecht – einem Geschlecht zugewiesen, als Kuriosum voyeuristischen Blicken ausgesetzt oder dienten dem medizinischen Apparat als Anschauungsobjekte. Intersexualität und das kulturell zementierte binäre Geschlechtermodell überschreitende Identitätsentwürfe lösen mitunter Furcht einflössende Ängste aus und bedrohen die vermeintlich eigene Sicherheit. Auf diese Weise wird das vorgeblich monströs-suspekt ‚Andere’ gemieden oder aus der sozialen Gemeinschaft ausgeschlossen. Krommingas Kunst zielt über das Persönliche hinaus und verfolgt das politische Anliegen der Geschlechtervielfalt, Sichtbarmachung und Akzeptanz von intergeschlechtlichen Menschen und das Recht auf Gleichheit und emanzipatorische Selbstbestimmung.
Diesen Anspruch spiegelt auch die Arbeitsweise der 1970 in Emden geborenen und in Berlin lebenden Künstler_in wider (die Schreibweise mit Unterstrich - gender gap - steht hier für den Raum jenseits der binären Geschlechter). Als Anregungen und Vorlagen der Zeichnungen, die oft zunächst mit Bleistift vor Ort entstehen, und später im Atelier mit Buntstift, Tusche, Federlavierung und Aquarell weiterbearbeitet werden, dienen Kromminga historische Darstellungen, medizinische und naturwissenschaftliche Quellen, Abbildungen aus Illustrierten, Comics, die Bildwelten von Filmen, Science-Fiction und der Alltagskultur. Kromminga arbeitet an mehreren Blättern gleichzeitig und begreift ihre Entstehung als einen offenen, unhierarchischen Prozess, der immer wieder Rückbezüge und Querverweise innerhalb der Gestaltung und Erzählung der Werke erlaubt. Diese erwecken Erinnerungen an mittelalterliche Holzstiche, an die kolorierten Druckgrafiken William Blakes, den Symbolismus eines Victor Hugo oder Odilon Redon, die Kunst des Surrealismus oder von Raymond Pettibon. Die fein gezeichneten, oftmals kleinformatigen Papierarbeiten vermitteln den Eindruck von Intimität und erfordern eine Betrachtung aus der Nähe. Die Unmittelbarkeit der Striche und die genau erfassten Details des Figürlichen überlagern sich mit abstrakten expressiven Momenten und der Leuchtkraft der Farben. Die Nahsicht ermöglicht erst die Entzifferung der Texte, die die mal poetisch-fantastischen, magisch-visionären, mal mit impliziter Brutalität durchdrungenen Bilder von mehrköpfigen Wesen, mutierten Engeln, Außerirdischen, Monstern, Freaks, Mischformen zwischen Mensch und Tier und Hermaphroditen begleiten, kommentieren oder ironisch unterlaufen.
Im Rahmen einer Ausstellungspräsentation arrangiert Kromminga die Zeichnungen zu unterschiedlichen Gruppen an den Wänden, die selbst zum Träger einer größeren Raumzeichnung werden. Die installative Situation umfängt den Betrachter und bezieht die Umgebung und Architektur mit ein. Die Anordnung der Zeichnungen innerhalb einer raumgreifenden Installation erlaubt das Entdecken von neuen narrativen Zusammenhängen und Brüchen zwischen den einzelnen kleineren Blättern und transportiert die scheinbar privaten Inhalte in einen erweiterten Kontext. Dabei ist das Fragmentarisch-Skizzenhafte, Unabgeschlossene, das Krommingas Kunst innewohnt, für die Künstler_in ein zentraler Punkt im Hinblick auf gesellschaftliche Veränderungen und eine wichtige Strategie gegen Vereindeutigung, Normierung und Fixierung.

Claudia Funke, Mai 2013


INS A KROMMINGA, * 1970, Emden. Lebt und arbeitet in Berlin. 1991-1998 Hochschule für Künste Bremen, Studium Zeichnung, Druckgrafik, Experimentalfilm. Abschluss 1998: Diplom Freie Kunst. 2000-2002 Tulane University, New Orleans, USA, Master of Fine Arts Programm Drawing/Painting, Abschluss, M.F.A.
EINZELAUSSTELLUNGEN: Galerie Wolfstaedter, Frankfurt am Main, 2012 und 2010; Volta, New York, mit Galerie Wolfstaedter, 2013; Galerie Herold, Bremen 2010.
AUSSTELLUNGSBETEILIGUNGEN, Auswahl:
2012: La Zona, NGBK, Berlin; Trans*_Homo, Schwules Museum Berlin, Other Drawings, Ormston House Gallery, Limerick, Irland.
2011: Preview Berlin, mit Galerie Wolfstaedter, Ffm; Wurmloch, Galerie Nord/Kunstverein Tiergarten, Berlin; The Uncanny XXYZ-Men, Freies Museum Berlin
2006: Das Achte Feld, Museum Ludwig, Köln
2005: Mitinitiator_in der Ausstellung „1-0-1 – intersex. Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung, NGBK, Berlin