MARCELINA WELLMER

SHADOW BOX

 

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SHADOW BOX 01, 2010, Öl auf Leinwand, 130 x 210 © Marcelina Wellmer

Ausstellung: 19. November – 18. Dezember 2010
Eröffnung: Donnerstag, 18. November, 19 Uhr
Öffnungszeiten: Mi – Fr 13-18 Uhr, Sa 12 – 15 Uhr
u. n. Vereinbarung
Konzert: Samstag, 11. Dezember, 20 Uhr:
Miwon & Marcelina Wellmer
Elektronische Musik & Video Art
www.marcelinawellmer.com
www.miwon.de


Mit SHADOW BOX stellt Marcelina Wellmer in der Galerie Funke eine neue Reihe fünf großformatiger Bilder ihrer auf den ersten Blick abstrakten Malerei aus. In den Werken ist Schwarz die vorherrschende Farbe, unterbrochen von grauen und gelben mitunter transparenten Flächen und dynamischen Diagonalen.

Den Ausgangspunkt der Arbeiten von Wellmer markieren jedoch immer reale Orte und Räume aus der unmittelbaren Umgebung der 1975 in Polen geborenen und seit 2006 in Berlin lebenden Künstlerin. „Meine Bilder knüpfen an die Wirklichkeit an“, sagt Wellmer im Hinblick auf die modernen Architekturen und Innenräume, die den Hintergrund ihrer Malerei bilden: „Es geht immer um einen Zustand, der eine Emotion erzeugt.“

Die in der Galerie Funke erstmals gezeigten SHADOW BOX-Bilder wurden auch inspiriert von Techno- und experimentellen Sounds, die die Künstlerin während der Herstellung hörte. Die rechteckigen Formen, Abstraktionen von Sicherungskästen, scheinen in SHADOW BOX 01 von innen zu leuchten, als seien sie Projektionsapparate. Sie verbinden klaustrophobische Enge mit der Energie von Strom und Licht.

SHADOW BOX 05, eine der Arbeiten in Wellmers erster Einzelausstellung in Deutschland, ist Teil einer interaktiven Sound Installation, die auf die Bewegung des Betrachters reagiert. Beim Eintreten in den Raum wird die statische, auf das Bild fallende Projektion zusammen mit computergenerierten, sich live und durch Zufall immer wieder neu erzeugenden elektronischen Klängen belebt. Neu in Wellmers Werk ist dabei die Verbindung visueller, kinetischer und akustischer Elemente, von Malerei, Licht und Musik.

Lärm, schrille Töne und Disharmonien vereint mit gelben, scharfkantig aggressiven Farblinien stehen symbolisch für eine Überreizung der Sinne durch die Vielfalt an Information. Die gestaffelten, sich überschneidenden und gebrochenen Perspektiven in Wellmers Arbeiten wecken einerseits kunstgeschichtliche Assoziationen an Werke der Klassischen Moderne: die kubistische Aufsplitterung und Mehransichtigkeit der Perspektive, energetische futuristische Bildkompositionen, die geometrische Bildsprache des Konstruktivismus, die durchscheinenden Farbauffächerungen in den Werken von Lyonel Feininger. Strukturell spiegelt Wellmers Kunst jedoch die Polyphonie unserer Wahrnehmung von Wirklichkeit und die Vielschichtigkeit des Erfassens von Raumansichten und Erlebtem wider. Deshalb schildert Wellmer, dass sie mit ihren Arbeiten versucht „in abstrakter Weise eine Wahrheit darzustellen.“

Licht, Klang und Bewegung sind in den Werken von Marcelina Wellmer ebenso wichtig wie die Farbe selbst. Schwarz, durchschnitten vom kalten Licht weiß-grüner Farben, die die Neonlampen im Atelier der Künstlerin reflektieren, dominiert auch Wellmers Bildreihe DARK LIGHT, die im Sommer dieses Jahres in der Ausstellung „Energetische Vorhersagen“ im Umweltbundesamt Berlin zu sehen war. Ergänzt wurde die Werkgruppe durch eine Videoarbeit, in der elektronische Klänge und Störgeräusche, produziert von Gösta Wellmer, ruhelos flackern wie eine Leuchtröhre. Schwarz in Kombination mit kühlen Grau- und Blautönen beherrscht ebenfalls die Bildserie BROKEN GLASS von 2009, einer Zeit, in der Wellmer nach zahlreichen Aktivitäten als VJ und Videokünstlerin zur Malerei zurückkehrte.

Claudia Funke, November 2010

Anlässlich der Ausstellung erscheint eine DVD zur Bild- und Klanginstallation SHADOW BOX,
erhältlich für 25,-- €.

Am Samstag, den 11. Dezember 2010, findet um 20:00 Uhr in der Galerie Funke ein Konzert des Berliner Elektronikmusikers Miwon in Kombination mit Video Art von Marcelina Wellmer statt.