DORIS MARTEN

grids’n’stacks


Maglianaklein

© Doris Marten, Magliana, 2008, Acryl auf Holz

Galerie Funke
19. März – 15. April 2011
Mi-Fr 13-18 Uhr, Sa 12-15 Uhr, und nach Vereinbarung

Eröffnung: Freitag, 18. März ab 18:00 Uhr

Finissage: Freitag, 15. April ab 18:00 Uhr
[Grids] acoustique
interaktive Klanginstallation von
Christoph Hein

 

Mit der Ausstellung grids’n’stacks zeigt die Galerie Funke erstmals Werke der Bildreihe GRIDS von Doris Marten in einer Einzelausstellung in Berlin. Die 1971 in München geborene und in Berlin lebende Künstlerin arbeitet in Serien. Grundlage der PINK PAINTINGS bildet die Störfunktion einer Digitalkamera, die statt des fokussierten Motivs nur pinkfarbene und schwarze Streifen produzierte, die von Marten in Malerei rückübersetzt werden. Die GRIDS bestehen aus Gitterstrukturen, Linien, die sich überlagern, vernetzen und voneinander abgrenzen. Zur Hervorhebung der geradlinig-kantigen Konturierung der Streifen nutzt Marten Tapes, die nach der Bearbeitung des Bildes entfernt werden. An manchen Stellen ist der Farbauftrag so dicht, dass die Bänder Reliefcharakter bekommen und selbst wie Klebestreifen wirken.
Die Galerie Funke präsentiert Werke der Serie GRIDS aus den vergangenen zehn Jahren. Eine Edition aus dem Jahr 2011, bestehend aus 24 kleinformatigen Einzelbildern, fügt sich in der Ausstellung zu einem großen Gesamtbild, dessen regelmäßige rasterförmige Zwischenräume und Schattenwürfe real sind. Doris Marten erstellt sowohl mehrteilige Werke der GRIDS, die, aus der Ferne betrachtet, wie aus einem Stück gefertigt erscheinen, z. B. die 18-teilige Arbeit „Schillingbrücke“ von 2008 oder der „Hermaphrodit“ von 2004, dessen 25 Einzelbilder aneinandergereiht und gestapelt werden. Da die Struktur der GRIDS, gemalt in Acryl auf Holz oder MDF, sowohl an den Seiten als auch um die Kanten der Bilder herum weiter geführt wird, entstehen in der Reihung und Stapelung der Werke neue farbliche Konstellationen und rhythmische Sequenzen. Obwohl für Doris Marten der Schwerpunkt ihrer Arbeiten auf der Malerei liegt, stellt sie die gestapelten Bilder als bemaltes Objekt in den Raum und fragt nach dem Wesen der Malerei, wenn diese sich im Raum ausbreitet.
Auf anderen Werken, z. B. „Flaminio“, 2007, oder „Morris“, 2008, ist die Variabilität und potentielle Austauschbarkeit ihrer Teile durch gemalte Schatten und gleichmäßige Rasterung vorgetäuscht – sie sind auf einen einzelnen Bildträger gemalt. Die Künstlerin entwickelt ein Spiel zwischen der Fläche des Bildes und der suggerierten oder tatsächlich Staffelung und räumlichen Perspektive abstrakter Strukturen. So entsteht eine Spannung zwischen zwei- und dreidimensionalen Bild- und Vorstellungswelten.

Im Zentrum der Ausstellung grids’n’stacks steht die beidseitig identisch bemalte Arbeit „Inception“ von 2010. In einem Filmloop  schwebt  das Bild – in Assoziation zu dem Kreisel im gleichnamigen Film von Christopher Nolan als Symbol für den Zustand des Traumes, die Zonen des Unbewussten und die Verwischung zwischen Traum und Wirklichkeit – durch den Raum.  Marten sagt zu dieser Erweiterung ihres Werkes: „Ich verstehe sie nicht als Film, sondern es ist eine Animation der Arbeit, eine Wesensveränderung“: befindet sich „Inception“ im Film in Bewegung, wird es dreidimensional und räumlich wahrgenommen; wenn die Bewegung für Momente stoppt, schwindet die haptische Erfahrung und gerade das Medium des Bildschirmes verstärkt den Eindruck von Flächigkeit.
Die Struktur des Gitternetzes, des Rasters, gilt als eine Insignie der Minimal Art. Die Bilder von Doris Marten knüpfen auf den ersten Blick an abstrakte und konstruktive Tendenzen der Moderne an. Rechteck und Quadrat, Linien und Streifen erinnern an Koordinatensysteme von mathematischer Klarheit und Rationalität. Auf der anderen Seite vermitteln sie durch die farbliche und rhythmische Komposition Wiederholung, Variation und Improvisation. Man denkt an Piet Mondrians „Broadway Boogie-Woogie“1, an unterschiedliche Töne und Klangfrequenzen. Zur Finissage der Ausstellung können die Besucher das musikalisch-akustische Potential der Malerei von Doris Marten mittels einer interaktiven Partitur der GRIDS von Christoph Hein erforschen. Das Werk „Inception“ wird auch im Mittelpunkt eines Films von Patrick Heeren stehen, der ebenfalls zum Abschluss der Ausstellung in der Galerie Funke gezeigt wird.

Die GRIDS von Doris Marten verursachen durch die Verflechtung von senkrechten und waagerechten Streifen, den Fluss der Linien und Farbflächen und deren Unterbrechungen ein Flirren auf der Netzhaut und  erfordern in ihrer Komplexität eine erhöhte Aufmerksamkeit der Wahrnehmung. Als Betrachter versucht man, die Strukturen auf den Bildern zu erfassen, die sich jedoch durch die Gleichzeitigkeit eines Zuviel immer wieder entziehen. Wie die Pixel im Aufbau digitaler Bilder, die das Motiv bei hoher Auflösung auf der Oberfläche des Bildschirms immer flächiger und bis zur Unkenntlichkeit verschwommener und abstrakter erscheinen lassen, verweisen Martens Bilder auf den Schein virtueller Welten.2 Anderseits sind die GRIDS – mit ihrer angedeuteten Nähe zur Architektur, zu Grundrissen und Stadtaufsichten – gerade in ihrer gemalten Ausführung über die Bildfläche hinaus und ihrer Ausweitung in den Realraum hinein sinnlich erfahrbar und in der Wirklichkeit greifbar.

Claudia Funke

DORIS MARTEN

 

grids’n’stacks

 

 

 

© Doris Marten, Magliana, 2008, Acryl auf Holz

 

Galerie Funke

19. März – 15. April 2011

Mi-Fr 13-18 Uhr, Sa 12-15 Uhr, und nach Vereinbarung

 

Eröffnung: Freitag, 18. März ab 18:00 Uhr

 

Finissage: Freitag, 15. April ab 18:00 Uhr

[Grids] acoustique

interaktive Klanginstallation von

Christoph Hein

 

Mit der Ausstellung grids’n’stacks zeigt die Galerie Funke erstmals Werke der Bildreihe GRIDS von Doris Marten in einer Einzelausstellung in Berlin. Die 1971 in München geborene und in Berlin lebende Künstlerin arbeitet in Serien. Grundlage der PINK PAINTINGS bildet die Störfunktion einer Digitalkamera, die statt des fokussierten Motivs nur pinkfarbene und schwarze Streifen produzierte, die von Marten in Malerei rückübersetzt werden. Die GRIDS bestehen aus Gitterstrukturen, Linien, die sich überlagern, vernetzen und voneinander abgrenzen. Zur Hervorhebung der geradlinig-kantigen Konturierung der Streifen nutzt Marten Tapes, die nach der Bearbeitung des Bildes entfernt werden. An manchen Stellen ist der Farbauftrag so dicht, dass die Bänder Reliefcharakter bekommen und selbst wie Klebestreifen wirken.

Die Galerie Funke präsentiert Werke der Serie GRIDS aus den vergangenen zehn Jahren. Eine Edition aus dem Jahr 2011, bestehend aus 24 kleinformatigen Einzelbildern, fügt sich in der Ausstellung zu einem großen Gesamtbild, dessen regelmäßige rasterförmige Zwischenräume und Schattenwürfe real sind. Doris Marten erstellt sowohl mehrteilige Werke der GRIDS, die, aus der Ferne betrachtet, wie aus einem Stück gefertigt erscheinen, z. B. die 18-teilige Arbeit „Schillingbrücke“ von 2008 oder der „Hermaphrodit“ von 2004, dessen 25 Einzelbilder aneinandergereiht und gestapelt werden. Da die Struktur der GRIDS, gemalt in Acryl auf Holz oder MDF, sowohl an den Seiten als auch um die Kanten der Bilder herum weiter geführt wird, entstehen in der Reihung und Stapelung der Werke neue farbliche Konstellationen und rhythmische Sequenzen. Obwohl für Doris Marten der Schwerpunkt ihrer Arbeiten auf der Malerei liegt, stellt sie die gestapelten Bilder als bemaltes Objekt in den Raum und fragt nach dem Wesen der Malerei, wenn diese sich im Raum ausbreitet.

Auf anderen Werken, z. B. „Flaminio“, 2007, oder „Morris“, 2008, ist die Variabilität und potentielle Austauschbarkeit ihrer Teile durch gemalte Schatten und gleichmäßige Rasterung vorgetäuscht – sie sind auf einen einzelnen Bildträger gemalt. Die Künstlerin entwickelt ein Spiel zwischen der Fläche des Bildes und der suggerierten oder tatsächlich Staffelung und räumlichen Perspektive abstrakter Strukturen. So entsteht eine Spannung zwischen zwei- und dreidimensionalen Bild- und Vorstellungswelten.

 

Im Zentrum der Ausstellung grids’n’stacks steht die beidseitig identisch bemalte Arbeit „Inception“ von 2010. In einem Filmloop schwebt das Bild – in Assoziation zu dem Kreisel im gleichnamigen Film von Christopher Nolan als Symbol für den Zustand des Traumes, die Zonen des Unbewussten und die Verwischung zwischen Traum und Wirklichkeit – durch den Raum. Marten sagt zu dieser Erweiterung ihres Werkes: „Ich verstehe sie nicht als Film, sondern es ist eine Animation der Arbeit, eine Wesensveränderung“: befindet sich „Inception“ im Film in Bewegung, wird es dreidimensional und räumlich wahrgenommen; wenn die Bewegung für Momente stoppt, schwindet die haptische Erfahrung und gerade das Medium des Bildschirmes verstärkt den Eindruck von Flächigkeit.

Die Struktur des Gitternetzes, des Rasters, gilt als eine Insignie der Minimal Art. Die Bilder von Doris Marten knüpfen auf den ersten Blick an abstrakte und konstruktive Tendenzen der Moderne an. Rechteck und Quadrat, Linien und Streifen erinnern an Koordinatensysteme von mathematischer Klarheit und Rationalität. Auf der anderen Seite vermitteln sie durch die farbliche und rhythmische Komposition Wiederholung, Variation und Improvisation. Man denkt an Piet Mondrians „Broadway Boogie-Woogie“1, an unterschiedliche Töne und Klangfrequenzen. Zur Finissage der Ausstellung können die Besucher das musikalisch-akustische Potential der Malerei von Doris Marten mittels einer interaktiven Partitur der GRIDS von Christoph Hein erforschen. Das Werk „Inception“ wird auch im Mittelpunkt eines Films von Patrick Heeren stehen, der ebenfalls zum Abschluss der Ausstellung in der Galerie Funke gezeigt wird.

 

Die GRIDS von Doris Marten verursachen durch die Verflechtung von senkrechten und waagerechten Streifen, den Fluss der Linien und Farbflächen und deren Unterbrechungen ein Flirren auf der Netzhaut und erfordern in ihrer Komplexität eine erhöhte Aufmerksamkeit der Wahrnehmung. Als Betrachter versucht man, die Strukturen auf den Bildern zu erfassen, die sich jedoch durch die Gleichzeitigkeit eines Zuviel immer wieder entziehen. Wie die Pixel im Aufbau digitaler Bilder, die das Motiv bei hoher Auflösung auf der Oberfläche des Bildschirms immer flächiger und bis zur Unkenntlichkeit verschwommener und abstrakter erscheinen lassen, verweisen Martens Bilder auf den Schein virtueller Welten.2 Anderseits sind die GRIDS – mit ihrer angedeuteten Nähe zur Architektur, zu Grundrissen und Stadtaufsichten – gerade in ihrer gemalten Ausführung über die Bildfläche hinaus und ihrer Ausweitung in den Realraum hinein sinnlich erfahrbar und in der Wirklichkeit greifbar.

 

Claudia Funke

1 Piet Mondrians Arbeit im Zusammenhang mit den Grids von Doris Marten erwähnt auch Tatjana Doll in ihrem Beitrag in: Um die Ecke geschaut, Katalog Doris Marten, Nürnberg 2000, S. 2

2 Wolfram Eilenberger: Mirkrologie des Bildes, in: Doris Marten. Grids/Pink Paintings, Kat. hg. Von Goldrausch Künstlerinnenprojekt art IT, Berlin 2007, setzt sich in seinem Aufsatz vor allem mit dem Verhältnis von Martens Arbeiten zu digitalen Bildwelten auseinander: „Der Entmaterialisierung der Welt setzt die Künstlerin den Prozess der Realisierung von Gemälden entgegen.“