BIRGIT HUEBNER
see dance singing

Galerie Funke
15. Juli–4. August 2012

Eröffnung: Samstag, 14. Juli, ab 18 Uhr
Ulrich Hepp: Electro und Chanson

Öffnungszeiten: Mi-Fr 13-18 Uhr, Sa 12-15 Uhr
und nach Vereinbarung
Birigit-Huebner
© Birgit Huebner, aus der Serie ‚Füße’, 2010, Collage auf Papier, 50 x 70 cm
www.birgithuebner.com

Die Galerie Funke ist stolz, das Werk der Düsseldorfer Künstlerin Birgit Huebner in einer ersten Einzelausstellung in Berlin mit dem Titel „see dance singing“ zu präsentieren. Huebner, die bereits 2003 als Stipendiatin auf der X. Rohkunstbau-Ausstellung in Schloss Groß Leuthen bei Berlin übergroße, vor den Fenstern angebrachte, Licht durchscheinende Porträts singender Jugendlicher zeigte, arbeitet vor allem mit den Medien Fotografie und Installation. Die Künstlerin verwendet eigene Aufnahmen, in deren Zentrum der menschliche Körper steht. Weitere Fotografien entstanden während ihrer Studienaufenthalte in Paris, New York, Israel und auf Reisen nach Syrien, Ägypten und Armenien. Spielerisch kombiniert Huebner das vorhandene Bildmaterial in Collage-Technik immer wieder neu. Dabei provozieren absurde Fragmentierungen von Körperteilen, die ein Eigenleben zu führen scheinen, einen surrealen Effekt. Widersprüchliche Dimensionen im Maßstab, wechselnde Perspektiven sowie die leuchtende, oftmals monochrome Farbgebung tragen zum irritierenden Eindruck der Verfremdung bei.
Die 1966 geborene Meisterschülerin der Düsseldorfer Kunstakademie nahm 1995 das Tanztraining bei Pina Bausch-Schüler Wolf Werner Wolf auf und setzte sich mit den Tanztheorien von Rudolf Laban und Irmgard Bartenieff auseinander. Die eigene tänzerische Aktivität und in neuerer Zeit die Praxis des Singens verstärken die bereits in frühen Arbeiten der Künstlerin angelegten Momente der Bewegung, Choreographie und Körpererfahrung. Singen, Sprechen, Tanzen, Dirigieren – dies alles sind Tätigkeiten, die als gegenwärtige Handlungen ausgeführt werden. Ihr performativer Charakter beinhaltet die Möglichkeit der Veränderung und Neuverortung.
In den jüngsten Collagen stellt die Künstlerin zunehmend den eigenen Körper in den Mittelpunkt, wobei dieser zwischen Innen und Außen, subjektiv Erlebtem und allgemein Gesellschaftlichem vermittelt. Die Werke von Huebner zeichnen sich durch ihre Mehransichtigkeit und – aufgrund der Verwendung lichtdurchlässiger Materialien - Transluzenz aus. Diese Offenheit findet sich ebenfalls dort, wo das Material durch Schnitte freie Stellen und Aussparungen aufweist. Die großformatigen Installationen Huebners funktionieren wie das Bühnenbild in einem Theater: Sie umgeben den Betrachter, der zum Akteur, zum Performer wird.
Huebners raumgreifende Mobiles mit Rundbildern, deren Farboberflächen fotografische Abbildungen als gemalte Punktraster wiedergeben, erweisen sich als schwebend-leichte Vorboten des Tänzerischen ohne festgelegten Betrachterstandpunkt. Im Jahr 2000 montierte Huebner anlässlich der Verleihung des Kunstpreises der Stadt Düsseldorf 60 im Innenraum und von außen sichtbare, mit Ölfarbe kolorierte und auf Transparentpapier gedruckte Nahaufnahmen von singenden Mündern vor die Fenster des Kunstraums Düsseldorf. Die Münder waren sichtbar, blieben aber stumm. Die Künstlerin visualisiert das Singen, während das klangliche Element des Gesangs selbst in die Vorstellungskraft der Betrachtenden verlagert wird. Die temporäre Installation verweist auf das Singen als einen individuellen Vorgang und gleichzeitig als Akt der Kommunikation. Die Werke Huebners zielen humorvoll auf die Konfrontation des Selbst mit dem Anderen, auf ein Sich-Öffnen für Neues und Fremdes, das Authentizität und Identität schafft.

Der in Berlin lebende Musiker Ulrich Hepp komponierte – inspiriert von Huebners Werken - anlässlich der Ausstellung „see dance singing“ Songs, die er zur Eröffnung am Samstag, den 14. Juli in der Galerie Funke aufführen wird: www.heppmusik.de.

Claudia Funke, Juli 2012