JUDITH GANZ

FLOATING LIQUIDS

Eröffnung: Freitag, 27. Mai ab 18 Uhr

Galerie Funke

28. Mai – 02. Juli 2011

Mi-Fr 13-18 Uhr, Sa 12-15 Uhr, und nach Vereinbarung

Finissage: Samstag, 02. Juli ab 18 Uhr

WeicheZiele

© Judith Ganz, Weiche Ziele, 270 x 340 cm, Acryl und Öl auf Nessel, 2010

www.judithganz.de


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© Judith Ganz, Blue Moon, 2010,
Acryl und Öl auf Nessel, 230 x 170 cm
Judith Ganz schüttet In ihren neuen Arbeiten die Farbe auf die Leinwand und überlässt deren Verlauf und Verteilung über die Fläche dem Zufall. Dann greift sie kompositorisch ein, steuert und lenkt die Ausformung der Bildmotive. Die Galerie Funke zeigt mit Floating Liquids erstmals Werke der in Köln lebenden Künstlerin in Berlin. Ganz’ Kunst entwickelt ihre Spannung durch gegenläufige und sich widerstreitende Perspektiven innerhalb eines Bildes. Einerseits vermittelt sie den Eindruck einer sogartigen räumlichen Tiefe, andererseits machen die Spuren der Pinselstriche und Farbpigmente den gestischen Akt der Malerei sichtbar und erfahrbar. Das oftmals große Format trägt dazu bei, dass man in das Bild eintreten, versinken kann und es eine beinahe körperliche Wirkung hervorruft.

Judith Ganz findet die Anregungen für ihre gleichzeitig abstrakten und figurativen Werke in den Bildern naturwissenschaftlicher Fachliteratur, der in Zeitungen und Zeitschriften publizierten mikroskopischen Fotografien biologischer und molekularer Strukturen und der computergenerierten Ansichten des Sonnensystems, neuer Erkenntnisse der Weltraumforschung sowie der Informationstechnologie. Sie fasziniert „die Formenvielfalt einer Welt, die nicht sichtbar ist, aber existiert.“

Bereits der Zoologe und Biologe Ernst Haeckel publizierte Ende des 19. Jahrhunderts seine Forschungen und Zeichnungen von Mikroorganismen, Einzellern, Strahlentierchen und Meeresquallen in den Bänden „Kunstformen der Natur“, die zahlreiche Künstler von Odilon Redon bis zu Hans Arp, Joan Miró, Wassily Kandinsky sowie die Surrealisten Max Ernst und Salvador Dali beeindruckten. Auch zeitgenössische Künstler wie der Amerikaner Alexander Ross lassen sich von den Bildern der modernen Naturwissenschaften inspirieren.

Dabei steht die 1964 in Düsseldorf geborene Künstlerin, die in Braunschweig an der Hochschule für Bildende Künste studierte, einem vermeintlichen Wahrheitsanspruch der Wissenschaften skeptisch gegenüber: Stattdessen verweist sie auf die Utopien, die die Forschung, z. B. die Gentechnologie, antreiben, die sich oft als trügerisch, gefährlich und eindimensional erweisen.
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© Judith Ganz, Yellow Velvet, 2010,
Acryl und Öl auf Nessel, 230 x 170 cm
Ganz zielt mit ihrer Kunst auf den „Aufbau von Bildillusionen“. Nervenzellen und Blutkörperchen treffen auf dynamisch-bewegte Farbfelder, pflanzliche Formen, Früchte und Luftblasen treiben auf Wasserflächen; die räumlichen Dimensionen und Größenverhältnisse erscheinen verzerrt. Die Künstlerin provoziert das „absurde Zusammentreffen unterschiedlicher Objekte“ in ihrer Malerei.

Zentral ist für sie das Gegeneinanderstellen extrem plastischer Formen, hervorgerufen durch eine Vielzahl der Farbschichten sowie eine große Farbdichte, und fließender, transparenter und luzider Segmente, die die Flächigkeit des Bildes betonen.

Judith Ganz erschafft Landschaften mit Anspielungen sowohl auf Kosmogenien und die Genesis als auch den Untergang und die Apokalypse und verbindet Schönheit und Schrecken miteinander. Dabei erinnern ihre Werke nicht nur an Bilder von William Turner und John Martin, sondern auch, hervorgerufen durch die Leuchtkraft der Farben, an Modernisten wie Ernst Wilhelm Nay. Ganz verdichtet Referenzen an die Kunst der Romantik des 19. Jahrhunderts, das All-Over eines Jackson Pollock und psychedelische Bildwelten zu einer konzeptuellen Strategie der Malerei.

Die Bilder von Judith Ganz erscheinen wie der Ausschnitt aus einer Geschichte, aus einem Science-Fiction. Die Künstlerin betont: „Ich konstruiere Ideenkomplexe, Farbräume, gesellschaftliche Räume, Zeiträume. Für mich sind die Bilder wie Filmstills.“ Allerdings haben die Geschichten weder Anfang noch Ende und entbehren der Logik einer fortlaufenden Handlung: Die Erzählung bleibt fremdartig, unaufgelöst und in der Schwebe. Die Bilder eröffnen einen Ausblick auf die Räume der Vergangenheit und Zukunft, spielen aber im Augenblick des Hier und Jetzt.

Claudia Funke, Mai 2011