Ulrike Krone

NEXT

9. Juli – 3. August | 9 July – 3 August 2011

Eröffnung Freitag, 8. Juli, 18-22 Uhr

Opening Friday, 8 July, 6-10 pm

(ab 20 Uhr | from 8 pm – Minimal Electronic Music)

Öffnungszeiten Mi – Fr 13-18 Uhr, Sa 12-15 Uhr

Opening hours Wed – Fr 1-6 pm, Sat 12 am-3 pm

Sonderöffnungszeiten 1.-3. August, Mo – Mi 13-18 Uhr

Special opening hours 1-3 August, Mon – Wed 1-6 pm

n15


© Ulrike Krone, next-dp-3d-15, 2011, Klebefolie auf Aluminium-Dibond-Platte, 32 x 33 x 0,3 cm

www.ulrike-krone.de


NEXT heißt die erste Einzelausstellung der in Berlin lebenden Künstlerin Ulrike Krone in der Galerie Funke. Seit 2009 arbeitet Krone an der gleichnamigen Bildserie, die Papiercollagen, Malerei, Siebdrucke, Zeichnungen sowie zwei- und dreidimensionale Collagen mit Klebefolie auf Aluminium-Dibond-Platten umfasst. Der Titel NEXT deutet auf ein zeitliches Moment, auf Bewegung und Geschwindigkeit. In ihren neuesten Arbeiten von 2011 umwickelt Krone alltägliche Verpackungsmaterialien, Fundstücke oder weiches, flexibles PVC mit farbigen Folien, so dass die Werke einen reliefartigen, objektähnlichen Charakter erhalten.
Neben großen Hochformaten zeigt die Galerie Funke kleinere, kompakte Collagen in etwa DIN A 4 Größe. Durch die Umklebung erscheinen die Arbeiten verschnürt, auf sich konzentriert, beinahe introvertiert und in sich abgeschlossen. Ihre Dreidimensionalität öffnet sie andererseits dem Raum und – in naher Hängung - korrespondieren und kommunizieren die Werke miteinander. Einige greifen mit ihren hervorragenden Kurven und Wölbungen das Formenrepertoire späterer Arbeiten Frank Stellas auf. Die meisten Werke von Ulrike Krone kennzeichnet hingegen eine horizontale, von Diagonalen gekreuzte Ausrichtung bei gleichzeitiger Verwendung eines vertikalen Bildformats. Die schräg verlaufenden Bewegungsrichtungen erzeugen, ähnlich wie die leuchtenden, oftmals durchscheinenden Farben, eine Spannung und Dynamik, die über den Bildrand hinweg und in den Raum hinein drängt. Die Intensität der Farben, die jähen Brüche und Überlagerungen einzelner Formen in der Bildkomposition, rufen Assoziationen an die Malerei Katharina Grosses und die der Abstakten Expressionisten Clyfford Still und Richard Diebenkorn hervor, auf deren Werke die Künstlerin entfernt Bezug nimmt. Das Lichte und die Transparenz der Farben, sich überschneidende, dann wieder vereinzelte Formen von Keil, Dreieck und Geraden erwecken Erinnerungen an die konstruktive Kunst von El Lissitzky und Wassily Kandinsky oder an die Bilder von Henri Matisse. Ulrike Krones 3 D-Collagen sind offensichtlich Hand gemacht, der improvisatorische oder provisorische Eindruck ersetzt den Duktus des Pinsels.
Die zweidimensionalen, die plane Bildebene betonenden Werke mit Klebefolie auf Alu-Dibond sind im Bildaufbau strenger und vermeiden jede Anspielung auf die sichtbare Handschrift der Künstlerin. Hier überwiegt die exakte Abgrenzung der farbigen Flächen voneinander und der Anspruch klarer Kanten und Ecken steht im Vordergrund. Abstrakte Tendenzen des Konstruktivismus, Minimalismus, des Hard Edge und der Farbfeldmalerei verweisen nicht nur auf die Tradition früher Arbeiten von Frank Stella sondern auch auf die bemalten Holz- und Aluminiumplatten der beiden Beuys-Schüler an der Düsseldorfer Kunstakademie Imi Knoebel und Blinky Palermo. Dementsprechend schätzt Krone die aus verschiedenfarbigen Leinwänden aneinander genähten Stoffbilder Palermos, die – ähnlich wie ihre eigenen Werke – und Mark Rothko zitierend – trotz des Hochformats auf Landschaften verweisende Horizontalität suggerieren.
Die Bezugnahme auf Landschaften und Architekturen ist von der Künstlerin intendiert und in der Entwicklung ihres Werkes angelegt. Krone malte Landschaftsbilder, fertigte Skizzen nach der Natur, bis sich Figuration und Form mehr und mehr auflösten, das Gestische im Mittelpunkt stand mit dem Ziel, die Leichtigkeit der Natureindrücke locker und frei auf das Bild zu übertragen.
Diese Art des Verfahrens erschien der Künstlerin schnell zu beliebig und willkürlich. Stattdessen suchte sie nach Strukturen, Formeln und Vorgaben für ihre Werke. Sie zerschnitt Fotografien, die Motive aus der Werbung, urbane Umgebungen und Bauten zeigten, und fertigte daraus Collagen, die neue abstrakte Konstellationen und formale Zusammenstellungen provozierten. Krone collagierte farbiges Tonpapier auf Pappe und führte die Kompositionen nun wieder mit dem Pinsel als großformatige Bilder aus, wobei die Formen allerdings strikt durch die Vorlagen vorgegeben waren.
Ulrike Krone, die 2010 als Meisterschülerin bei Burkhard Held an der Universität der Künste, Berlin, abschloss, versteht sich als Malerin, auch wenn sie mit den Mitteln der Collage und Klebefolie statt mit dem Pinsel arbeitet. Ihre Arbeiten sind konstruktiv-abstrakt, aber dennoch eng verbunden mit der Gegenwärtigkeit des gesellschaftlichen Alltags. Analog zu musikalischen Klängen vermitteln ihre Bilder Rhythmus und Tempo, Lautstärke und Stille, Ordnung und Chaos. Während der Entstehung und Ausführung ihrer Werke hört Krone elektronische Musik. Als eine weitere Ebene der Abstraktion in einem anderen Medium lässt sie nur die Beats und den Sound ohne Gesang oder Text auf sich wirken. Für Krone ist das Prinzip der Collage eine Technik, die Spontaneität, Veränderlichkeit, Variationsbreite zulässt und den Elan einer expressiven und intuitiven Arbeitsweise. „Nichts ist starr, alles kann sich bewegen“, sagt sie über ihre künstlerische Strategie, „Ich habe nicht das Gefühl irgendwo stehen zu bleiben, sondern setze Ideen schnell um.“
Diese Offenheit und Freiheit bietet sie ebenfalls den Betrachtern ihrer Werke an: Sie macht ihnen keine Vorgaben, sondern möchte Möglichkeiten des Sehens und Entdeckens eröffnen. Der Titel NEXT spielt nicht allein auf eine Speed-Dating-Sendung im Fernsehen an, sondern auf die Schnelllebigkeit, Austauschbarkeit, Beliebigkeit und Informationsflut unserer Gegenwart: die nächste Mode, der nächste Trend, die nächste technische Entwicklung, der nächste Artikel auf dem Markt, die nächste Nachricht....Die Abkürzungen und Nummerierungen der einzelnen Bildtitel der Arbeiten Krones betonen diese Aktualität, indem sie, ähnlich etwa den Bildtiteln des Künstlers Frank Nitsche, wie digitale Codes oder Dateinamen klingen.

Claudia Funke, Juni 2011


Ulrike Krone

 

NEXT

 

9. Juli – 3. August | 9 July – 3 August 2011

 

Eröffnung Freitag, 8. Juli, 18-22 Uhr

Opening Friday, 8 July, 6-10 pm

(ab 20 Uhr | from 8 pm – Minimal Electronic Music)

 

Öffungszeiten Mi – Fr 13-18 Uhr, Sa 12-15 Uhr

Opening hours Wed – Fr 1-6 pm, Sat 12 am-3 pm

 

Sonderöffnungszeiten 1.-3. August, Mo – Mi 13-18 Uhr

Special opening hours 1-3 August, Mon – Wed 1-6 pm

 

 

 

© Ulrike Krone, next-dp-3d-15, 2011, Klebefolie auf Aluminium-Dibond-Platte, 32 x 33 x 0,3 cm

www.ulrike-krone.de

 

NEXT heißt die erste Einzelausstellung der in Berlin lebenden Künstlerin Ulrike Krone in der Galerie Funke. Seit 2009 arbeitet Krone an der gleichnamigen Bildserie, die Papiercollagen, Malerei, Siebdrucke, Zeichnungen sowie zwei- und dreidimensionale Collagen mit Klebefolie auf Aluminium-Dibond-Platten umfasst. Der Titel NEXT deutet auf ein zeitliches Moment, auf Bewegung und Geschwindigkeit. In ihren neuesten Arbeiten von 2011 umwickelt Krone alltägliche Verpackungsmaterialien, Fundstücke oder weiches, flexibles PVC mit farbigen Folien, so dass die Werke einen reliefartigen, objektähnlichen Charakter erhalten.

Neben großen Hochformaten zeigt die Galerie Funke kleinere, kompakte Collagen in etwa DIN A 4 Größe. Durch die Umklebung erscheinen die Arbeiten verschnürt, auf sich konzentriert, beinahe introvertiert und in sich abgeschlossen. Ihre Dreidimensionalität öffnet sie andererseits dem Raum und – in naher Hängung - korrespondieren und kommunizieren die Werke miteinander. Einige greifen mit ihren hervorragenden Kurven und Wölbungen das Formenrepertoire späterer Arbeiten Frank Stellas auf. Die meisten Werke von Ulrike Krone kennzeichnet hingegen eine horizontale, von Diagonalen gekreuzte Ausrichtung bei gleichzeitiger Verwendung eines vertikalen Bildformats. Die schräg verlaufenden Bewegungsrichtungen erzeugen, ähnlich wie die leuchtenden, oftmals durchscheinenden Farben, eine Spannung und Dynamik, die über den Bildrand hinweg und in den Raum hinein drängt. Die Intensität der Farben, die jähen Brüche und Überlagerungen einzelner Formen in der Bildkomposition, rufen Assoziationen an die Malerei Katharina Grosses und die der Abstakten Expressionisten Clyfford Still und Richard Diebenkorn hervor, auf deren Werke die Künstlerin entfernt Bezug nimmt. Das Lichte und die Transparenz der Farben, sich überschneidende, dann wieder vereinzelte Formen von Keil, Dreieck und Geraden erwecken Erinnerungen an die konstruktive Kunst von El Lissitzky und Wassily Kandinsky oder an die Bilder von Henri Matisse. Ulrike Krones 3 D-Collagen sind offensichtlich Hand gemacht, der improvisatorische oder provisorische Eindruck ersetzt den Duktus des Pinsels.

Die zweidimensionalen, die plane Bildebene betonenden Werke mit Klebefolie auf Alu-Dibond sind im Bildaufbau strenger und vermeiden jede Anspielung auf die sichtbare Handschrift der Künstlerin. Hier überwiegt die exakte Abgrenzung der farbigen Flächen voneinander und der Anspruch klarer Kanten und Ecken steht im Vordergrund. Abstrakte Tendenzen des Konstruktivismus, Minimalismus, des Hard Edge und der Farbfeldmalerei verweisen nicht nur auf die Tradition früher Arbeiten von Frank Stella sondern auch auf die bemalten Holz- und Aluminiumplatten der beiden Beuys-Schüler an der Düsseldorfer Kunstakademie Imi Knoebel und Blinky Palermo. Dementsprechend schätzt Krone die aus verschiedenfarbigen Leinwänden aneinander genähten Stoffbilder Palermos, die – ähnlich wie ihre eigenen Werke – und Mark Rothko zitierend – trotz des Hochformats auf Landschaften verweisende Horizontalität suggerieren.

Die Bezugnahme auf Landschaften und Architekturen ist von der Künstlerin intendiert und in der Entwicklung ihres Werkes angelegt. Krone malte Landschaftsbilder, fertigte Skizzen nach der Natur, bis sich Figuration und Form mehr und mehr auflösten, das Gestische im Mittelpunkt stand mit dem Ziel, die Leichtigkeit der Natureindrücke locker und frei auf das Bild zu übertragen.

Diese Art des Verfahrens erschien der Künstlerin schnell zu beliebig und willkürlich. Stattdessen suchte sie nach Strukturen, Formeln und Vorgaben für ihre Werke. Sie zerschnitt Fotografien, die Motive aus der Werbung, urbane Umgebungen und Bauten zeigten, und fertigte daraus Collagen, die neue abstrakte Konstellationen und formale Zusammenstellungen provozierten. Krone collagierte farbiges Tonpapier auf Pappe und führte die Kompositionen nun wieder mit dem Pinsel als großformatige Bilder aus, wobei die Formen allerdings strikt durch die Vorlagen vorgegeben waren.

Ulrike Krone, die 2010 als Meisterschülerin bei Burkhard Held an der Universität der Künste, Berlin, abschloss, versteht sich als Malerin, auch wenn sie mit den Mitteln der Collage und Klebefolie statt mit dem Pinsel arbeitet. Ihre Arbeiten sind konstruktiv-abstrakt, aber dennoch eng verbunden mit der Gegenwärtigkeit des gesellschaftlichen Alltags. Analog zu musikalischen Klängen vermitteln ihre Bilder Rhythmus und Tempo, Lautstärke und Stille, Ordnung und Chaos. Während der Entstehung und Ausführung ihrer Werke hört Krone elektronische Musik. Als eine weitere Ebene der Abstraktion in einem anderen Medium lässt sie nur die Beats und den Sound ohne Gesang oder Text auf sich wirken. Für Krone ist das Prinzip der Collage eine Technik, die Spontaneität, Veränderlichkeit, Variationsbreite zulässt und den Elan einer expressiven und intuitiven Arbeitsweise. „Nichts ist starr, alles kann sich bewegen“, sagt sie über ihre künstlerische Strategie, „Ich habe nicht das Gefühl irgendwo stehen zu bleiben, sondern setze Ideen schnell um.“

Diese Offenheit und Freiheit bietet sie ebenfalls den Betrachtern ihrer Werke an: Sie macht ihnen keine Vorgaben, sondern möchte Möglichkeiten des Sehens und Entdeckens eröffnen. Der Titel NEXT spielt nicht allein auf eine Speed-Dating-Sendung im Fernsehen an, sondern auf die Schnelllebigkeit, Austauschbarkeit, Beliebigkeit und Informationsflut unserer Gegenwart: die nächste Mode, der nächste Trend, die nächste technische Entwicklung, der nächste Artikel auf dem Markt, die nächste Nachricht....Die Abkürzungen und Nummerierungen der einzelnen Bildtitel der Arbeiten Krones betonen diese Aktualität, indem sie, ähnlich etwa den Bildtiteln des Künstlers Frank Nitsche, wie digitale Codes oder Dateinamen klingen.

 

Claudia Funke, Juni 2011